Bei dem Austausch zwischen Kapital und Arbeit sind, wie wir bei Betrachtung des Produktionsprozesses sahen, zwei wesentlich verschiedne, obgleich einander bedingende Momente zu unterscheiden.
Erstens: Der erste Austausch zwischen Arbeit und Kapital ist ein formeller Prozeß, worin das Kapital als Geld und das Arbeitsvermögen als Ware figuriert. Der Verkauf des Arbeitsvermögens findet ideell oder juristisch statt in diesem ersten Prozeß, obgleich die Arbeit erst nach ihrer Verrichtung, am Ende des Tags, der Woche etc. bezahlt wird. Dies ändert nichts an dieser Transaktion, worin das Arbeitsvermögen verkauft wird. Was hier unmittelbar verkauft wird, ist nicht eine Ware, worin sich die Arbeit bereits realisiert hat, sondern der Gebrauch des Arbeitsvermögens selbst, also faktisch die Arbeit selbst, da der use des Arbeitsvermögens seine action – Arbeit ist. Es ist also nicht durch Warenaustausch vermittelter Austausch von Arbeit. Wenn A Stiefel an B verkauft, so tauschen beide Arbeit aus, der eine im Stiefel, der andre im Geld realisierte Arbeit. Aber hier wird auf der einen Seite vergegenständlichte Arbeit in ihrer allgemeinen gesellschaftlichen Form, d. h. als Geld, ausgetauscht gegen die nur noch als Vermögen existierende Arbeit; und was gekauft wird und verkauft, ist der Gebrauch dieses Vermögens, also die Arbeit selbst, obgleich der Wert der verkauften Ware nicht der Wert der Arbeit (ein irrationaler Ausdruck), sondern der Wert des Arbeitsvermögens ist. Es findet also unmittelbarer Austausch statt zwischen vergegenständlichter Arbeit und Arbeitsvermögen, das sich de facto auflöst in lebendige Arbeit; also zwischen vergegenständlichter Arbeit und lebendiger Arbeit. Das Salair – der Wert des Arbeitsvermögens – stellt sich daher dar, wie früher entwickelt, als unmittelbarer Kaufpreis, Preis der Arbeit.
In diesem ersten Moment ist das Verhältnis von Arbeiter und Kapitalist das von Verkäufer und Käufer von Ware. Der Kapitalist zahlt den Wert des Arbeitsvermögens, also den Wert der Ware, die er kauft.
Zugleich aber wird das Arbeitsvermögen nur gekauft, weil die Arbeit, die es leisten kann und sich zu leisten verpflichtet, größer ist als die Arbeit, die zur Reproduktion seines Arbeitsvermögens erheischt ist und sich daher in einem größeren Wert darstellt als der Wert des Arbeitsvermögens.
||1323| Zweitens: Das zweite Moment des Austauschs von Kapital und Arbeit hat in der Tat nichts mit dem ersten zu tun, ist strenggenommen gar kein Austausch.
In dem ersten Moment findet Austausch von Geld und Ware statt – von Äquivalenten –, und Arbeiter und Kapitalist stehen sich nur als Warenbesitzer gegenüber. Es werden Äquivalente ausgetauscht. (D.h., es ändert nichts an dem Verhältnis, wann sie ausgetauscht werden; und ob der Preis der Arbeit über oder unter dem Wert des Arbeitsvermögens steht oder ihm gleich ist, ändert nichts an der Transaktion. Sie kann also nach dem allgemeinen Gesetz des Warenaustauschs stattfinden.)
In dem zweiten Moment findet gar kein Austausch statt. Der Geldbesitzer hat aufgehört, Käufer von Ware, und der Arbeiter, Verkäufer von Ware zu sein. Der Geldbesitzer funktioniert jetzt als Kapitalist. Er konsumiert die Ware, die er gekauft hat, und der Arbeiter liefert sie, da der Gebrauch seines Arbeitsvermögens seine Arbeit selbst ist. Durch die frühe Transaktion ist die Arbeit selbst Teil des gegenständlichen Reichtums geworden. Der Arbeiter verrichtet sie, aber sie gehört dem Kapital und ist nur noch eine Funktion desselben. Sie geschieht daher direkt unter seiner Kontrolle und Direktion; und das Produkt, worin sie sich vergegenständlicht, ist die neue Gestalt, worin das Kapital erscheint oder worin es sich vielmehr actu als Kapital verwirklicht. In diesem Prozeß vergegenständlicht sich die Arbeit daher direkt, verwandelt sich unmittelbar in Kapital, nachdem sie bereits formell dem Kapital durch die erste Transaktion einverleibt ist. Und zwar verwandelt sich hier mehr Arbeit in Kapital, als früher Kapital im Ankauf des Arbeitsvermögens ausgelegt wurde. Es wird in diesem Prozeß ein Teil unbezahlter Arbeit angeeignet, und nur dadurch verwandelt sich das Geld in Kapital.
Obgleich nun hier in der Tat kein Austausch stattfindet, ist, wenn man von den Vermittlungen absieht, das Resultat, daß sich im Prozeß – beide Momente zusammengefaßt – ein bestimmtes Quantum vergegenständlichter Arbeit gegen ein größres Quantum lebendiger Arbeit ausgetauscht hat, was sich im Resultat des Prozesses so ausdrückt, daß die Arbeit, die sich in seinem Produkt vergegenständlicht hat1, > als die Arbeit, die im Arbeitsvermögen vergegenständlicht, und daher > als die vergegenständlichte Arbeit, die dem Arbeiter gezahlt wird, oder daß in dem wirklichen Prozeß der Kapitalist nicht nur den Teil des Kapitals, den er in Arbeitslohn ausgelegt hat, zurückerhält, also erhält, sondern einen Surpluswert, der ihm nichts kostet. Der unmittelbare Austausch von Arbeit gegen Kapital bedeutet hier: 1. die unmittelbare Verwandlung der Arbeit in Kapital, [in einen] gegenständlichen Bestandteil des Kapitals im Produktionsprozeß; 2. den Austausch eines bestimmten Quantums vergegenständlichter Arbeit gegen dasselbe Quantum lebendiger Arbeit plus einem Surplusquantum lebendiger Arbeit, das ohne Austausch angeeignet wird.
Der Ausdruck, daß produktive Arbeit solche Arbeit ist, die sich unmittelbar mit Kapital austauscht, umfaßt alle diese Momente, und ist nur eine abgeleitete Formel dafür, daß es Arbeit ist, die Geld in Kapital verwandelt, die sich mit den Produktionsbedingungen als Kapital austauscht, sich also keineswegs zu ihnen als einfachen Produktionsbedingungen, die sich zu den Produktionsbedingungen nicht als Arbeit schlechthin, ohne spezifische soziale Bestimmtheit, verhält.
Es schließt dies ein: 1. das Verhältnis von Geld und Arbeitsvermögen als Waren gegeneinander, Kauf und Verkauf zwischen dem Geldbesitzer und dem Besitzer des Arbeitsvermögens; 2. die direkte Subsumtion der Arbeit unter das Kapital; 3. die reelle Verwandlung der Arbeit in Kapital im Produktionsprozeß oder, was dasselbe ist, die Schöpfung des Mehrwerts für das Kapital. Es findet zweierlei Austausch von Arbeit und Kapital statt. Der erste drückt bloß den Kauf des Arbeitsvermögens und daher actu der Arbeit und daher ihres Produkts aus. Der zweite die direkte Verwandlung lebendiger Arbeit in Kapital oder ihre Vergegenständlichung als Verwirklichung des Kapitals.
Das Resultat des kapitalistischen Produktionsprozesses ist weder ein bloßes Produkt (Gebrauchswert) noch Ware, d. h. Gebrauchswert, der einen bestimmten Tauschwert hat. Sein Resultat, sein Produkt ist Schöpfung des Mehrwerts für das Kapital und daher faktische Verwandlung von Geld oder Ware in Kapital, was sie vor dem Produktionsprozeß bloß der Intention nach, an sich, ihrer Bestimmung nach sind. In dem Produktionsprozeß wird mehr Arbeit eingesaugt, als gekauft ist, und dies Einsaugen, ||1324| Aneignen fremder unbezahlter Arbeit, das im Produktionsprozeß vollbracht wird, ist der unmittelbare Zweck des kapitalistischen Produktionsprozesses; denn was das Kapital als Kapital (daher der Kapitalist als Kapitalist) produzieren will, ist weder unmittelbar Gebrauchswert zum Selbstkonsum noch Ware, um sie erst in Geld und später in Gebrauchswert zu verwandeln. Sein Zweck ist die Bereicherung, die Verwertung des Wertes, seine Vergrößerung, also das Erhalten des alten Wertes und Schaffen von Mehrwert. Und dies spezifische Produkt des kapitalistischen Produktionsprozesses erreicht es nur im Austausch mit der Arbeit, die daher produktive Arbeit heißt.
Die Arbeit, damit sie Ware produziert, muß nützliche Arbeit sein, einen Gebrauchswert produzieren, sich in einem Gebrauchswert darstellen. Und nur Arbeit, die sich in Ware darstellt, also in Gebrauchswerten, ist daher Arbeit, womit sich Kapital austauscht. Dies ist selbstverständliche Voraussetzung. Aber es ist nicht dieser konkrete Charakter der Arbeit, ihr Gebrauchswert als solcher – daß sie also z.B. Schneiderarbeit, Schusterarbeit, Spinnen, Weben etc. –, was ihren spezifischen Gebrauchswert für das Kapital bildet, sie daher zur produktiven Arbeit im System der kapitalistischen Produktion stempelt. Was ihren spezifischen Gebrauchswert für das Kapital bildet, ist nicht ihr bestimmter nützlicher Charakter, sowenig wie die besondren nützlichen Eigenschaften des Produkts, worin sie sich vergegenständlicht. Sondern ihr Charakter als das schöpferische Element des Tauschwerts, abstrakte Arbeit, und zwar nicht, daß sie überhaupt ein bestimmtes Quantum dieser allgemeinen Arbeit vorstellt, sondern ein größres Quantum, als in ihrem Preis, d.h. dem Wert des Arbeitsvermögens, enthalten ist.
Der Gebrauchswert des Arbeitsvermögens ist für es eben der Überschuß der Quantität Arbeit, die es liefert über die Quantität Arbeit, die in ihm selbst vergegenständlicht und daher zu seiner Reproduktion erheischt ist. Sie liefert dieses Quantum natürlich in der bestimmten Form, die ihr als besondrer nützlicher Arbeit zukommt, als Spinnarbeit, Weberarbeit etc. Aber dieser ihr konkreter Charakter, der sie überhaupt befähigt, sich in Ware darzustellen, ist nicht ihr spezifischer Gebrauchswert für das Kapital. Für es besteht dieser in ihrer Qualität als Arbeit überhaupt und in der Differenz des Arbeitsquantums, das sie leistet über dem Arbeitsquantum, das sie kostet.
Eine bestimmte Geldsumme x wird dadurch Kapital, daß sie sich in ihrem Produkt als x + h darstellt; d.h., daß das Quantum Arbeit, das in ihr als Produkt enthalten ist, größer ist als das Quantum Arbeit, das ursprünglich in ihr enthalten war. Und dies ist das Resultat des Austausches zwischen dem Geld und der produktiven Arbeit, oder, nur die Arbeit ist produktivo, die vergegenständlichte Arbeit befähigt, im Austausch mit ihr sich als ein vergrößertes Quantum vergegenständlichter Arbeit darzustellen.
Der kapitalistische Produktionsprozeß ist daher auch nicht bloß die Produktion von Waren. Er ist ein Prozeß, der unbezahlte Arbeit absorbiert, Material und Arbeitsmittel – die Produktionsmittel – zu Mitteln der Absorption unbezahlter Arbeit macht.
Aus dem Bisherigen geht hervor, daß produktive Arbeit zu sein eine Bestimmung der Arbeit ist, die zunächst absolut nichts zu tun hat mit dem bestimmten Inhalt der Arbeit, ihrer besondren Nützlichkeit oder dem eigentümlichen Gebrauchswert, worin sie sich darstellt.
Dieselbe Sorte Arbeit kann produktiv oder unproduktiv sein.
Z.B. Milton, who did the „Paradise Lost“ for 5 l.2 war ein unproduktiver Arbeiter. Der Schriftsteller dagegen, der Fabrikarbeit für seinen Buchhändler liefert, ist ein produktiver Arbeiter. Milton produzierte das „Paradise Lost“ aus demselben Grund, aus dem ein Seidenwurm Seide produziert. Es war eine Betätigung seiner Natur. Er verkaufte später das Produkt für 5 l. Aber der Leipziger Literaturproletarier, der unter Direktion seines Buchhändlers Bücher (z. B. Kompendien der Ökonomie) fabriziert, ist ein produktiver Arbeiter; denn sein Produkt ist von vornherein unter das Kapital subsumiert und findet nur zu dessen Verwertung statt. Eine Sängerin, die auf ihre eigene Faust ihren Gesang verkauft, ist ein unproduktiver Arbeiter. Aber dieselbe Sängerin, von einem entrepreneur engagiert, der sie singen läßt, um Geld zu machen, ist ein produktiver Arbeiter; denn sie produziert Kapital.
||1325|| Es sind hier verschiedne Fragen zu unterscheiden.
Ob ich eine Hose kaufe oder ob ich Tuch kaufe und einen Schneidergesellen ins Haus nehme, dem ich seinen Dienst (i. e. seine Schneiderarbeit), dieses Tuch in Hose zu verwandeln, zahle, ist für mich, soweit es nur um die Hose zu tun, völlig gleichgültig. Ich kaufe die Hose von dem merchant-tailor3, statt in der letztern Art zu operieren, weil die letztre Art teuer ist und die Hose weniger Arbeit kostet, daher wohlfeiler ist, wenn der capitalist-tailor sie produziert, als wenn ich sie in der letztern Weise produzieren lasse. Aber in beiden Fällen verwandle ich das Geld, womit ich die Hose kaufe, nicht in Kapital, sondern in Hose, und in beiden Fällen handelt es sich für mich darum, das Geld als bloßes Zirkulationsmittel zu brauchen, d. h., es in diesen bestimmten Gebrauchswert zu verwandeln. Hier fungiert das Geld also nicht als Kapital, obgleich es in dem einen Fall gegen Ware sich austauscht, in dem andren die Arbeit selbst als Ware kauft. Es funktioniert nur als Geld und bestimmter als Zirkulationsmittel.
Andererseits ist der Schneidergeselle kein produktiver Arbeiter, obgleich seine Arbeit mir das Produkt, die Hose, und ihm den Preis seiner Arbeit, das Geld liefert. Es ist möglich, daß das Arbeitsquantum, das der Geselle liefert, größer ist als das in dem Preis, den er von mir erhält, enthaltne. Und dies ist sogar wahrscheinlich, da der Preis seiner Arbeit bestimmt ist durch den Preis, den die produktiven Schneidergesellen erhalten. Aber dies ist mir völlig gleichgültig. Ob er 8 oder 10 Stunden arbeitet, nachdem einmal der Preis festgesetzt, ist mir ganz indifferent. Das, worum es sich nur handelt, ist der Gebrauchswert, die Hose, wobei ich natürlich, ob ich sie in der einen oder andren Weise kaufe, das Interesse habe, möglichst wenig dafür zu zahlen, aber in dem einen Fall nicht mehr oder minder als in dem andren, oder nur ihren normalen Preis für sie zu zahlen. Es ist dies eine Ausgabe für meine Konsumtion, keine Vermehrung, sondern eine Verminderung meines Gelds. Es ist durchaus kein Mittel der Bereicherung, sowenig wie irgendeine andre Art, Geld für meinen persönlichen Konsum auszugeben, ein Mittel der Bereicherung ist.
Einer der savants4 des Paul de Kock mag mir sagen, daß ich ohne diesen Kauf, wie ohne den Kauf von Brot, nicht leben, also auch nicht mich bereichern kann, daß es also ein indirektes Mittel oder wenigstens eine Bedingung für meine Bereicherung ist. In derselben Art wie mein Blutumlauf, mein Atemprozeß Bedingungen für meine Bereicherung. Aber deswegen bereichert mich an und für sich weder mein Blutumlauf noch mein Atemprozeß, die beide vielmehr einen kostspieligen Stoffwechsel voraussetzen, ohne dessen Notwendigkeit es keine armen Teufel gäbe. Der bloße unmittelbare Austausch von Geld gegen Arbeit verwandelt daher nicht das Geld in Kapital oder die Arbeit in produktive Arbeit.
Was ist nun das Charakteristische in diesem Austausch? Wodurch unterscheidet [er] sich vom Austausch des Gelds mit produktiver Arbeit? Einerseits dadurch, daß das Geld als Geld verausgabt wird, als selbständige Form des Tauschwerts, der in einen Gebrauchswert, in Lebensmittel, Gegenstand der persönlichen Konsumtion, verwandelt werden soll. Das Geld wird also nicht zu Kapital, sondern, umgekehrt, verliert sein Dasein als Tauschwert, um als Gebrauchswert verzehrt, aufgezehrt zu werden. Andrerseits hat für mich die Arbeit bloß Interesse als Gebrauchswert, als Dienst, wodurch Tuch in Hose verwandelt wird, der Dienst, den mir ihr bestimmter nützlicher Charakter leistet.
Dagegen besteht der Dienst, den derselbe Schneidergeselle, von einem merchant-tailor verwendet, diesem Kapitalisten leistet, keineswegs darin, daß er Tuch in Hosen verwandelt, sondern darin, daß die notwendige Arbeits zeit, die in einer Hose vergegenständlicht ist, = 12 Arbeitsstunden und der Lohn, den der Geselle erhält, = 6 Stunden. Der Dienst, den er ihm leistet, besteht also darin, daß er 6 Stunden umsonst arbeitet. Daß dies in Form von Hosenmacherei geschieht, versteckt nur das wirkliche Verhältnis. Sobald der merchant-tailor kann, sucht er die Hosen daher wieder in Geld zu verwandeln, d.h. in eine Form, worin der bestimmte Charakter der Schneiderarbeit gänzlich verschwunden ist und worin der geleistete Dienst sich daher so ausdrückt, daß statt Arbeitszeit von 6 Std., die ||1326| sich in einer bestimmten Geldsumme ausdrückt, Arbeitszeit von 12 Std. vorhanden ist, die sich in der doppelten Geldsumme ausdrückt.
Ich kaufe die Schneiderarbeit wegen des Dienstes, den sie als Schneiderarbeit leistet, mein Bedürfnis der Kleidung zu befriedigen, daher einem meiner Bedürfnisse zu dienen. Der merchant-tailor kauft sie als ein Mittel, aus 1 Taler zwei zu machen. Ich kaufe sie, weil sie einen bestimmten Gebrauchswert produziert, einen bestimmten Dienst leistet. Er kauft sie, weil sie mehr Tauschwert liefert, als sie kostet, als ein bloßes Mittel, weniger Arbeit mit mehr Arbeit auszutauschen.
Wo der Austausch des Geldes direkt gegen Arbeit stattfindet, ohne daß letztre Kapital produziert, also nicht produktive Arbeit ist, wird sie als Dienst gekauft, was überhaupt nichts als ein Ausdruck für den besondren Gebrauchswert ist, den die Arbeit leistet wie jede andere Ware; aber spezifischer Ausdruck für den besondren Gebrauchswert der Arbeit, soweit diese nicht als Sache Dienste leistet, sondern als Tätigkeit, was sie jedoch keineswegs z.B. von einer Maschine unterscheidet, z.B. einer Uhr. Do ut facias, facio ut facias, facio ut des, do ut des sind hier ganz gleichgültige Formen desselben Verhältnisses, während in der kapitalistischen Produktion das do ut facias ein sehr spezifisches Verhältnis des gegenständlichen Werts, der gegeben, und der lebendigen Tätigkeit, die akkapariert wird, ausdrückt. Weil also in diesem Kaufen von Diensten das spezifische Verhältnis von Arbeit und Kapital gar nicht enthalten, entweder völlig ausgelöscht oder gar nicht vorhanden ist, ist es natürlich die Lieblingsform der Say, Bastiat und Konsorten, um das Verhältnis von Kapital und Arbeit auszudrücken.
Wie der Wert dieser Dienste reguliert wird und wie dieser Wert selbst durch die Gesetze des Arbeitslohns bestimmt wird, ist eine Frage, die mit der Untersuchung über das vorliegende Verhältnis nichts zu tun hat und in das Kapitel vom Arbeitslohn gehört.
Es ergibt sich, daß weder der bloße Austausch von Geld gegen Arbeit die letztere in produktive Arbeit verwandelt, daß andererseits der Inhalt dieser Arbeit zunächst gleichgültig ist.
Der Arbeiter selbst kann Arbeit kaufen, i. e. Waren, die in der Form von Diensten geleistet werden, und die Verausgabung seines Salairs in solchen Diensten ist eine Verausgabung desselben, die sich durchaus nicht von der Verausgabung seines Salairs in irgendwelchen andern Waren unterscheidet. Die Dienste, die er kauft, mögen mehr oder minder notwendig sein, z. B. der Dienst eines Arztes oder eines Pfaffen, ganz wie er Brot oder Schnaps kaufen kann. Als Käufer – i. e. Repräsentant von Geld gegen Ware – befindet sich der Arbeiter ganz in derselben Kategorie wie der Kapitalist, wo er nur als Käufer auftritt, d. h., es sich nur darum handelt, das Geld in die Form von Ware zu übersetzen. Wie der Preis dieser Dienste bestimmt wird und welches Verhältnis er zum eigentlichen Arbeitslohn hat, wiefern er durch die Gesetze des letztern reguliert wird, wiefern nicht, sind Fragen, die in einer Abhandlung über den Arbeitslohn zu betrachten und für die jetzige Untersuchung ganz gleichgültig sind.
Wenn so der bloße Austausch von Geld und Arbeit letztre nicht in produktive Arbeit verwandelt oder, was dasselbe ist, erstres nicht in Kapital, so erscheint auch der Inhalt, der konkrete Charakter, die besondere Nützlichkeit der Arbeit zunächst gleichgültig, wie wir eben gesehn, daß dieselbe Arbeit desselben Schneidergesellen in dem einen Fall als produktiv erscheint, in dem andern nicht.
Gewisse Dienstleistungen oder die Gebrauchswerte, Resultate gewisser Tätigkeiten oder Arbeiten, verkörpern sich in Waren, andre dagegen lassen kein handgreifliches, von der Person selbst unterschiednes Resultat zurück; oder ihr Resultat ist keine verkauffbare Ware. Z. B. der Dienst, den mir ein Sänger leistet, befriedigt mein ästhetisches Bedürfnis, aber was ich genieße, existiert nur in einer von dem Sänger selbst untrennbaren Aktion, und sobald seine Arbeit, das Singen, am Ende ist, ist auch mein Genuß am Ende: Ich genieße die Tätigkeit selbst – ihre Reverberation auf mein Ohr. Diese Dienste selbst, wie die Ware, die ich kaufe, können notwendige sein oder nur notwendig scheinen, z. B. der Dienst eines Soldaten oder Arztes oder Advokaten, oder sie können Dienste sein, die mir Genüsse gewähren. Dies ändert an ihrer ökonomischen Bestimmtheit nichts. Wenn ich gesund bin und den Arzt nicht brauche oder das Glück habe, keine Prozesse führen zu müssen, so vermeide ich es wie die Pest, Geld in ärztlichen oder juristischen Dienstleistungen auszulegen.
||1328| Die Dienste können auch aufgedrungen sein, Beamtendienste etc.
Wenn ich den Dienst eines Lehrers kaufe, nicht um meine Fähigkeiten zu entwickeln, sondern um mir Vermögen zu erwerben, mit dem ich Geld verdienen kann – oder wenn andre für mich diesen Lehrer kaufen – und wenn ich wirklich etwas lerne, was an und für sich von der Zahlung des Dienstes ganz unabhängig ist, so gehören diese Lernkosten ganz wie meine Unterhaltskosten zu den Produktionskosten meines Arbeitsvermögens. Aber die besondere Nützlichkeit dieses Dienstes ändert an dem ökonomischen Verhältnis nichts; es ist kein Verhältnis, worin ich Geld in Kapital verwandle oder wodurch der Dienstverrichter, der Lehrer, mich in seinen Kapitalisten, his master, verwandelt. Es ist daher auch ganz gleichgültig für die ökonomische Bestimmtheit dieses Verhältnisses, ob der Arzt mich kuriert, der Lehrer erfolgreich in seinem Unterricht ist, der Advokat meinen Prozeß gewinnt. Was gezahlt wird, ist die Dienstleistung als solche, deren Resultat ihrer Natur nach von dem Dienstleistenden nicht garantiert werden kann. Ein großer Teil der Dienste gehört in die Konsumtionskosten von Waren, wie Köchin, Magd etc.
Es ist das Charakteristische aller unproduktiven Arbeiten, daß sie nur in demselben Verhältnis zu Gebot stehen – wie der Kauf aller andern Waren zur Konsumtion –, in dem ich produktive Arbeiter exploitiere. Von allen Personen hat der produktive Arbeiter daher das geringste Kommando über die Dienstleistungen unproduktiver Arbeiter, obgleich am meisten zu zahlen für die unfreiwilligen Dienste (Staat, Steuern). Umgekehrt aber wächst meine Macht, produktive Arbeiter anzuwenden, durchaus nicht in dem Verhältnis, wie ich unproduktive Arbeiter anwende, sondern nimmt umgekehrt in demselben Verhältnis ab.
Die produktiven Arbeiter selbst können mir gegenüber unproduktive Arbeiter sein. Z. B. wenn ich mein Haus tapezieren lasse und diese Tapezierer Lohnarbeiter eines masters sind, der mir diese Verrichtung verkauft, so ist es für mich dasselbe, als wenn ich ein tapeziertes Haus gekauft hätte, Geld gegen eine Ware zu meinem Konsum verausgabt hätte; aber für den master, der diese Arbeiter tapezieren läßt, sind sie produktive Arbeiter, denn sie produzieren ihm Mehrwert. |1328||
||1333| Wie sehr vom Standpunkt der kapitalistischen Produktion der Arbeiter nicht produktiv ist, der zwar verkäufliche Ware produziert – aber bloß bis zum Betrag seines eigenen Arbeitsvermögens, also keinen Mehrwert für das Kapital –, sieht man schon aus den Stellen von Ricardo, daß die very existence of such people a nuisance5 ist. Dies ist Theorie und Praxis des Kapitals.
„Sowohl die Theorie in bezug auf das Kapital als auch die Praxis, die Arbeit an dem Punkt zu stoppen, wo sie über die Erhaltungskosten des Arbeiters hinaus einen Profit für den Kapitalisten produzieren kann, scheinen im Gegensatz zu den natürlichen Gesetzen zu stehen, die die Produktion regeln." (Th.Hodgskin, „Pop.Polit.Econ.", Lond. 1827, p.238.) |1333|
||1336|| Produktionsprozeß des Kapitals. Wir haben gesehn: Dieser Produktionsprozeß ist nicht nur Produktionsprozeß von Waren, sondern Produktionsprozeß von surplus value, Absorption von Surplusarbeit und daher Produktionsprozeß von Kapital. Der erste formelle Austauschtakt von Geld und Arbeit oder Kapital und Arbeit ist nur der Möglichkeit nach Aneignung fremder lebendiger Arbeit durch vergegenständlichte Arbeit. Der wirkliche Aneignungsprozeß geht erst im wirklichen Produktionsprozeß vor, der jene erste formelle Transaktion – worin Kapitalist und Arbeiter sich als bloße Warenbesitzer gegenüber, als Käufer und Verkäufer zueinander verhalten – als vergangne hinter sich liegen hat. Weswegen alle Vulgärökonomen bei jener ersten formellen Transaktion stehnbleiben – so Bastiat –, gerade um das spezifische Verhältnis wegzuschwindeln. In dem Austausch von Geld mit unproduktiver Arbeit zeigt sich der Unterschied schlagend. Hier tauschen sich Geld und Arbeit nur als Ware gegeneinander aus. Statt daß dieser Austausch dabei Kapital bildet, ist er die Verausgabung von Revenue. |1336|
[f) Die Arbeit der Handwerker und Bauern in der kapitalistischen Gesellschaft]
||1328|| Wie verhält es sich aber dann mit selbständigen Handwerkern oder Bauern, die keine Arbeiter anwenden, also nicht als Kapitalisten produzieren? Entweder, wie stets im Fall der Bauern {aber z.B. nicht eines Gärtners, den ich mir ins Haus nehme}, sind sie Warenproduzenten, und ich kaufe die Ware von ihnen, wobei es z.B. nichts ändert, daß der Handwerker sie auf Bestellung liefert, der Bauer sein supply6 nach dem Maße seiner Mittel liefert. In diesem Verhältnis treten sie mir als Verkäufer von Waren, nicht als Verkäufer von Arbeit entgegen, und dies Verhältnis hat also mit dem Austausch von Kapital und Arbeit nichts zu tun, also auch nicht mit dem Unterschied von produktiver und unproduktiver Arbeit, der bloß darauf beruht, ob die Arbeit gegen Geld als Geld oder gegen Geld als Kapital ausgetauscht wird. Sie gehören daher weder in die Kategorie der produktiven noch der unproduktiven Arbeiter, obgleich sie Produzenten von Waren sind. Aber ihre Produktion ist nicht unter die kapitalistische Produktionsweise subsumiert.
Es ist möglich, daß diese Produzenten, die mit eignen Produktionsmitteln arbeiten, nicht nur ihr Arbeitsvermögen reproduzieren, sondern Mehrwert schaffen, indem ihre Position ihnen erlaubt, ihre eigne Surplusarbeit oder einen Teil derselben (indem ein Teil ihnen unter der Form von Steuern etc. weggenommen wird) sich anzueignen. Und hier tritt uns eine Eigentümlichkeit entgegen, die charakteristisch ist für eine Gesellschaft, in der eine Bestimmtheit der Produktionsweise vorherrscht, obgleich noch nicht alle Produktionsverhältnisse derselben unterworfen sind. In der feudalen Gesellschaft z.B., wie man am besten in England studieren kann, weil hier das System des Feudalismus fertig von der Normandie eingeführt und seine Form einer in vielen Rücksichten verschiedenen Gesellschaftsunterlage aufgeprägt wurde, erhalten auch die Verhältnisse einen feudalen Ausdruck, die dem Wesen des Feudalismus fernstehn, z.B. bloße Geldverhältnisse, worin es sich in keiner Weise um wechselseitige persönliche Dienste von Suzerain und Vasall handelt. Fiktion z.B., daß der kleine Bauer sein Gut als Lehn besitzt.
Ganz so in der kapitalistischen Produktionsweise. Der unabhängige Bauer oder Handwerker wird in zwei Personen zerschnitten.
„In den kleinen Betrieben ist der Unternehmer oft sein eigener Arbeiter." (Storch, t. I, Petersb. Ausg., p. 242.)
Als Besitzer der Produktionsmittel ist er Kapitalist, als Arbeiter ist er sein eigner Lohnarbeiter. Er zahlt sich also sein Salair als Kapitalist und zieht seinen Profit aus seinem Kapital, d.h., er exploitiert sich selbst als Lohnarbeiter und zahlt sich in dem surplus value den Tribut, den die Arbeit dem Kapital schuldet. Vielleicht zahlt er sich noch einen dritten Teil als Grundbesitzer (Rente), ganz wie wir später sehen werden7, daß der industrielle Kapitalist, wenn er mit eignem ||1329| Kapital arbeitet, sich selbst Zins zahlt und dies als etwas betrachtet, was er sich nicht als industrieller Kapitalist, sondern qua Kapitalist schlechthin schuldet.
Die <ökonomische> gesellschaftliche Bestimmtheit der Produktionsmittel in der kapitalistischen Produktion – so daß sie ein bestimmtes Produktionsverhältnis ausdrücken – ist so zusammengewachsen mit, und in der Vorstellungsweise der bürgerlichen Gesellschaft so unzertrennlich von dem materiellen Dasein dieser Produktionsmittel als Produktionsmittel, daß jene Bestimmtheit (kategorische Bestimmtheit) auch da angewandt wird, wo ihr das Verhältnis direkt widerspricht. Die Produktionsmittel werden nur Kapital, soweit sie als selbständige Macht der Arbeit gegenüber verselbständigt sind. Im angegebenen Fall ist der Produzent – Besitzer, Eigentümer seiner Produktionsmittel. Sie sind also nicht Kapital, sowenig wie er ihnen gegenüber Lohnarbeiter. Nichtsdestoweniger werden sie als Kapital aufgefaßt, und er selbst in sich gespalten, so daß er als Kapitalist sich selbst als Lohnarbeiter anwendet.
In der Tat ist diese Darstellungsweise, so irrational sie on first view8, doch so far9 richtig: Der Produzent schafft zwar im angegebenen Fall sein eignes surplus value {der Fall gesetzt, daß er seine Ware zu ihrem Wert verkauft}, oder das ganze Produkt vergegenständlicht nur seine eigne Arbeit. Daß er aber das ganze Produkt seiner eignen Arbeit sich selbst aneignen kann und nicht von einem dritten master angeeignet
Die Trennung erscheint als das normale Verhältnis in dieser Gesellschaft. Wo sie also nicht faktisch stattfindet, wird sie supponiert und, wie eben gezeigt, so far richtig; denn (im Unterschied z. B. von altrömischen oder norwegischen Zuständen oder amerikanischen im Nordwesten der United States) erscheint hier die Vereinigung als zufällig, die Trennung als normal, und wird daher die Trennung als das Verhältnis festgehalten, selbst wenn die Person die verschiedenen Funktionen vereinigt. Es tritt hier sehr schlagend hervor, daß der Kapitalist als solcher nur Funktion des Kapitals, der Arbeiter Funktion des Arbeitsvermögens ist. Es ist dann auch Gesetz, daß die ökonomische Entwicklung die Funktionen an verschiedene Personen verteilt; und der Handwerker oder Bauer, der mit seinen eigenen Produktionsmitteln produziert, wird sich entweder nach und nach in einen kleinen Kapitalisten verwandeln, der auch fremde Arbeit exploitiert, oder er wird seiner Produktionsmittel verlustig gehn {dies mag zunächst geschehn, obgleich er ihr nomineller Eigentümer bleibt, wie beim Hypothekenwesen} und in einen Lohnarbeiter verwandelt werden. Dies ist die Tendenz in der Gesellschaftsform, worin die kapitalistische Produktionsweise vorherrscht.