Da die kommerzielle und Zinsform älter sind als die von kapitalistischer Produktion, das industrielle Kapital, das die Grundform des Kapitalverhältnisses ist, wie es die bürgerliche Gesellschaft beherrscht – und wovon alle andren Formen nur als abgeleitete oder sekundäre erscheinen –, abgeleitet, wie das zinstragende Kapital; sekundär, d. h. als Kapital in einer besondren Funktion (die seinem Zirkulationsprozeß angehört), wie das kommerzielle, so hat das industrielle Kapital im Prozeß seines Entstehens diese Formen erst zu unterwerfen und in abgeleitete oder besondre Funktionen seiner selbst umzuwandeln. Diese ältern Formen findet es vor in der Epoche seiner Bildung und seines Entstehens. Es findet sie als Voraussetzungen vor, aber nicht als von ihm selbst gesetzte Voraussetzungen, nicht als Formen seines eignen Lebensprozesses. Wie es ursprünglich die Ware vorfindet, aber nicht als sein eignes Produkt, und die Geldzirkulation vorfindet, aber nicht als ein Moment seiner eignen Reproduktion. Ist die kapitalistische Produktion entwickelt in der Breite ihrer Formen, und die herrschende Produktionsweise, so ist das zinstragende Kapital beherrscht durch das industrielle Kapital, und das kommerzielle Kapital nur eine aus dem Zirkulationsprozeß abgeleitete Gestalt des industriellen Kapitals selbst. Aber als selbständige Formen müssen |900| beide erst gebrochen und dem industriellen Kapital unterworfen werden. Dem zinstragenden Kapital gegenüber wird Gewalt (der Staat) angewandt, durch gewaltsame Herabsetzung des Zinsfußes, so daß es dem industriellen Kapital nicht mehr die terms1 diktieren kann. Dies aber eine Form, die den unentwickeltsten Stufen der kapitalistischen Produktion angehört. Die wahre Manier des industriellen Kapitals, es sich zu unterwerfen, ist die Schöpfung einer ihm eigentümlichen Form – des Kreditsystems. Das gewaltsame Herabsetzen des Zinsfußes ist eine Form, die das industrielle Kapital selbst noch den Methoden einer früheren Produktionsweise entlehnt und die es als nutzlos und zweckwidrig fortwirft, sobald es erstarkt ist und sein Terrain erobert hat. Das Kreditsystem ist seine eigne Schöpfung, selbst eine Form des industriellen Kapitals, beginnend mit der Manufaktur, weiter ausgebildet mit der großen Industrie. Das Kreditsystem ist ursprünglich polemische Form gegen die altmodischen Wucherer (goldsmiths(1) in England, Juden, Lombarden etc.). Die Schriften, in denen seine ersten Geheimnisse auseinandergesetzt werden im 17. Jahrhundert, sind alle in dieser polemischen Form gehalten.
Das Handelskapital wird in verschiednen Formen dem industriellen Kapital untergeordnet oder, was dasselbe, zur Funktion desselben, das industrielle Kapital in einer besondren Funktion. Der Kaufmann, statt die Ware zu kaufen, kauft Lohnarbeit, womit er die Ware produziert, die er zum Verkauf für den Handel bestimmt. Dadurch verliert aber das Handelskapital selbst die fixe Form, die es gegenüber der Produktion hatte. Die mittelaltrigen Zünfte wurden dadurch von der Manufaktur bekämpft und das Handwerk in engeren Kreis eingeschrieben. Im Mittelalter der Kaufmann (außer den sporadischen Punkten, wo sich die Manufaktur entwickelt, in Italien, Spanien etc.) bloß Verleger der – sei es von den städtischen Zünften, sei es von den Bauern – produzierten Waren.
Diese Verwandlung des Kaufmanns in industriellen Kapitalisten ist zugleich die Verwandlung des Handelskapitals in eine bloße Form des industriellen. Andrerseits der Produzent wird Kaufmann. Statt daß z.B. der clothier(2) sein Material sukzessiv in kleinen Portionen vom Kaufmann erhält und für diesen arbeitet, kauft er selbst das Material im Verhältnis zu seinem Kapital etc. Die Produktionsbedingungen gehn als von ihm selbst gekaufte Waren in den Prozeß ein. Und statt für den einzelnen Kaufmann zu produzieren oder bestimmte Kunden, produziert der clothier jetzt für die Handelswelt.
In der ersten Form beherrscht der Kaufmann die Produktion und das Handelskapital die von ihm in Bewegung gesetzte Handwerksindustrie und bäuerlich-häusliche Industrie. Gewerbe sind seine Subalternen. In der zweiten verwandelt sich die Produktion in kapitalistische. Der Produzent ist selbst Kaufmann; das Handelskapital vermittelt nur noch den Zirkulationsprozeß, verrichtet eine bestimmte Funktion in dem Reproduktionsprozeß des Kapitals. Dies sind zwei Formen. Der Kaufmann wird als Kaufmann Produzent, Industrieller. Der Industrielle, der Produzent wird Kaufmann.
Ursprünglich ist der Handel die Voraussetzung für die Verwandlung der zünftigen, ländlich-häuslichen und feudalen Agrikulturproduktion in kapitalistische. Er entwickelt das Produkt zur Ware, teils indem er ihm einen Markt schafft, teils neue Warenäquivalente, teils der Produktion neue Materialien zuführt und damit Produktionsweisen eröffnet, die von vornherein auf den Handel gegründet sind, sowohl auf das Produzieren für den Markt, wie auf Elemente der Produktion, die aus dem Weltmarkt herstammen.
Sobald die Manufaktur einigermaßen erstarkt, und noch mehr als große Industrie, schafft sie ihrerseits den Markt, erobert ihn, öffnet sich teils gewaltsam Märkte, die sie aber durch ihre Waren selbst erobert. Weiter ist der Handel nur mehr Diener der industriellen Produktion, für die stets erweiterter Markt Lebensbedingung geworden, indem stets sich erweiternde Massenproduktion, beschränkt nicht durch die vorhandnen Grenzen des Handels (soweit dieser nur existierende Nachfrage ausdrückt), sondern einzig und allein durch die Größe des vorhandnen Kapitals und die entwickelte Produktivkraft der Arbeiter, stets den vorhandnen Markt überschwemmt und daher beständig an der Erweiterung und Entfernung seiner Schranken arbeitet. Hier der Handel des industriellen Kapitals, verrichtet eine aus dessen Produktionsbedingungen emanierende Funktion.
Durch das Kolonialsystem (gleichzeitig mit dem Prohibitivsystem) sucht das industrielle Kapital in seinen ersten Entwicklungsperioden, sich gewaltsam einen Markt und Märkte zu sichern. Der industrielle Kapitalist hat den Weltmarkt für sich; vergleiche |901| und muß daher beständig vergleichen seine eignen Kostenpreise nicht nur mit dem Marktpreis at home2, sondern on the whole market of the world3. Er produziert beständig in Rücksicht darauf. Diese Vergleichung fällt in der frühren Periode nur dem Handelsstand zu und sichert so dem Handelskapital Herrschaft über das produktive. |901||
|902| Der Zins ist also nichts als ein Teil des Profits (der seinerseits selbst nichts als surplus value, unbezahlte Arbeit ist), den der industrielle Kapitalist dem Eigentümer des fremden Kapitals zahlt, womit er ausschließlich oder teilweise „arbeitet". Er ist ein Teil des Profits – der surplus value –, der, als eine besondre Kategorie fixiert, unter eignem Namen von dem Gesamtprofit abgeschieden wird; eine Scheidung, die sich durchaus nicht auf seinen Ursprung bezieht, sondern nur auf die Weise seiner Auszahlung oder Aneignung. Statt von dem industriellen Kapitalisten selbst angeeignet zu werden – obgleich er die Person ist, in deren Hand sich unmittelbar der ganze Mehrwert befindet, wie er sich auch unter den Namen Rente, industrieller Profit und Zins verteilen mag, zwischen ihm und andren Personen –, zieht er diesen Teil des Profits von seiner eignen Revenue ab und zahlt ihn an den Eigentümer des Kapitals aus.
Ist die Profitrate gegeben, so hängt die relative Höhe der Zinsrate von dem Verhältnis ab, worin der Profit sich in Zins und industriellen Profit verteilt; ist das Verhältnis der Teilung gegeben, so hängt die absolute Höhe der Zinsrate (d.h. das Verhältnis des Zinses zum Kapital) von der Profitrate ab. Wie dieses Verhältnis bestimmt wird, hier nicht zu untersuchen. Gehört in die Betrachtung der realen Bewegung des Kapitals, i. e. der Kapitalien, während wir es hier mit den allgemeinen Formen des Kapitals zu tun haben.
Die Bildung des zinstragenden Kapitals, seine Scheidung vom industriellen Kapital, ist notwendiges Produkt der Entwicklung des industriellen Kapitals, der kapitalistischen Produktionsweise selbst. Geld (Wertsumme, die stets verwandelbar in die Produktionsbedingungen) oder die Produktionsbedingungen, worin es jeden Augenblick verwandelbar und deren verwandelte Form es nur ist, als Kapital angewandt, kommandiert ein bestimmtes Quantum fremder Arbeit, mehr Arbeit als in ihm selbst enthalten ist. Es erhält seinen Wert nicht nur im Austausch mit Arbeit, sondern vermehrt ihn, setzt surplus value. Der Wert des Gelds oder der Waren als Kapital ist nicht bestimmt durch den Wert, den sie als Geld oder Waren haben, sondern durch das Quantum Mehrwert, das sie „produzieren" für ihren Besitzer. Das Produkt des Kapitals ist Profit. Auf Grundlage der kapitalistischen Produktion ist es nur verschiedne Anwendung des Geldes, ob es als Geld oder als Kapital verausgabt wird. Geld (Ware), auf Grundlage der kapitalistischen Produktion, ist an sich Kapital (ganz wie das Arbeitsvermögen an sich Arbeit ist), denn 1. kann es in die Produktionsbedingungen verwandelt werden und ist, wie es ist, bloß abstrakter Ausdruck derselben, ihr Dasein als Wert, und 2. besitzen die gegenständlichen Elemente des Reichtums an sich die Eigenschaft, Kapital zu sein, weil ihr Gegensatz – die Lohnarbeit –, das, was sie zu Kapital macht, als Basis der gesellschaftlichen Produktion vorhanden ist.
Rente ist auch nur Name für einen Teil des Mehrwerts, den der industrielle Kapitalist wegzahlen muß, ganz wie Zins ein andrer Teil des Mehrwerts ist, den er zwar einnimmt (wie die Rente), aber an eine dritte Person auszuzahlen hat. Aber hier der große Unterschied: Durch das Grundeigentum hindert der Grundeigentümer das Kapital, die Werte der Agrikulturprodukte zu ihren Kostenpreisen auszugleichen. Dazu befähigt ihn das Monopol des Grundeigentums. Es befähigt ihn, die Differenz zwischen Wert und Kostenpreis einzustecken. Andrerseits – soweit es sich um die Differentialrente handelt – befähigt es ihn, den Überschuß des Marktwerts über den individuellen Wert des Produkts eines bestimmten Bodens4 zu kassieren, statt daß diese Differenz, wie in den andren trades5, als surplus profit in die Tasche der Kapitalisten falle, die unter günstigen Bedingungen arbeiten als die average Bedingungen sind, die die Masse der Nachfrage befriedigen, das Gros der Produktion bestimmen, und daher den Marktwert jeder besondren Produktionssphäre regulieren.
Das Grundeigentum ist ein Mittel, Teil des vom industriellen Kapital produzierten Surpluswerts wegzuschnappen. Das ausgeliehene Kapital dagegen ist das Mittel – pro tanto6 als der Kapitalist mit geliehenem Kapital arbeitet –, den ganzen ||903|| Surpluswert selbst zu produzieren. Daß Geld (Ware) als Kapital ausgeliehen werden kann, heißt nichts, als daß es ein sich Kapital ist. Die Abschaffung des Grundeigentums im Ric[ardo]schen Sinn, nämlich seine Verwandlung in Staatseigentum, so daß die Rente an den Staat statt an den Landlord7 gezahlt wird, ist das Ideal, der Herzenswunsch, der aus dem innersten Wesen des Kapitals hervorwächst. Das Kapital kann das Grundeigentum nicht abschaffen. Aber durch seine Verwandlung in Rente [die dem Staat gezahlt wird,] eignet es sich [sie] als Klasse zur Bestreitung seiner Staatsausgaben an, eignet sich also auf einem Umweg an, was es direkt nicht festhalten kann. Abschaffung des Zinses und des zinstragenden Kapitals ist dagegen Abschaffung des Kapitals und der kapitalistischen Produktion selbst. Solange Geld (Ware) als Kapital dienen kann, kann es als Kapital verkauft werden. Es ist daher ganz der kleinbürgerlichen Utopisten würdig, daß sie, die die Ware wollen, aber nicht das Geld, das industrielle Kapital wollen, aber nicht das zinstragende, den Profit, aber nicht den Zins.
Es sind nicht zwei verschiedne Kapitalien, das zinstragende und profitbringende, sondern dasselbe Kapital, das im Prozeß als Kapital funktioniert, wirft einen Profit ab, der sich zwischen zwei verschiednen Kapitalisten verteilt: den, der außer[h]alb des Prozesses steht und als Eigentümer das Kapital an sich vertritt {es ist aber wesentliche Bedingung desselben, in einem Privateigentümer vertreten zu sein; ohne dies wird es nicht Kapital im Gegensatz zur Lohnarbeit}, und den, der das funktionierende Kapital, das im Prozeß befindliche Kapital vertritt.